Fabian Leendertz mit einer Schülergruppe, die mit dem Rücken zur Kamera steht
Prof. Fabian Leendertz erklärt Schüler:innen des Projekts CiFly die Arbeit des Helmholtz-Instituts für One Health.
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Mit Blattabstrichen und Fliegen den Tieren auf der Spur

Schüler:innen des Greifswalder Humboldt-Gymnasiums und das Helmholtz-Institut für One Health vergleichen innovative Methoden zur Bestimmung der Artenvielfalt und antibiotikaresistenter Bakterien im Tierpark Greifswald

Heute startet das Citizen Science-Projekt CiFly in die zweite Runde. Dieses Jahr bekommen Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums die Gelegenheit, das Helmholtz-Institut für One Health (HIOH), die Biobank der Universitätsmedizin und den Tierpark Greifswald aus dem Blickwinkel von Forschenden kennenzulernen.

Die Jugendlichen werden selbst in die Rolle von Wissenschaftler:innen schlüpfen und Fragestellungen experimentell beantworten, die relevant für die Forschung am HIOH sind. Dazu werden sie in Kleingruppen gemeinsam Wasserproben, Fliegen und Blattabstriche sammeln, dokumentieren, analysieren und ihre Ergebnisse anschließend präsentieren. Dabei erhalten die Schüler:innen Einblicke in die Themen One Health, Biodiversität, Infektionen und antimikrobielle Resistenzen und werden gleichzeitig für die komplexen Ökosysteme in ihrer Umwelt sensibilisiert.

CiFly ist Teil der One-Health-Region Vorpommern, die innerhalb der Initiative „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ unter Leitung der Universität Greifswald vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird.

Zwei Wissenschaftlerinnen bei der Gruppenarbeit mit drei Schüler:innen
HIOH-Mitarbeiter:innen Dr. Madeleine Paditz und Dr. Johanna Eberhard mit Schüler:innen des CiFly-Projekts

„Im ersten Jahr gab es einen intensiven Austausch zwischen Schüler:innen und Wissenschaftler:innen, und beide Seiten haben in der Zusammenarbeit viel gelernt. Dieses Jahr freuen wir uns besonders auf die Kooperation mit dem Tierpark, der den Schüler:innen ein spannendes Forschungsumfeld bietet und es uns erlaubt, in großem Umfang Proben zu sammeln und verschiedene wissenschaftliche Methoden zu vergleichen“, sagt Dr. Johanna Eberhard, die das Projekt am HIOH koordiniert. Das HIOH ist ein Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig in Kooperation mit der Universität Greifswald, der Universitätsmedizin Greifswald und dem Friedrich-Loeffler-Institut.

Laut Dr. Jan Gogarten, Wissenschaftler am HIOH, bestätigten die Schüler:innen des ersten Projektjahres die Erfahrungen der Wissenschaftler:innen in der Feldarbeit: „Fliegen sammeln kann eine wirkliche Herausforderung sein! Daher wollen wir diesmal noch eine einfachere Methode einsetzen. Wir haben kürzlich eine Arbeit veröffentlicht, die zeigt, dass ein einziger Blattabstrich aus einem tropischen Ökosystem die Spuren von durchschnittlich acht Wirbeltieren nachweist.“ Blattabstriche sind sehr einfach zu sammeln, aber bislang gibt es noch viele offene Fragen zu der Methode, zum Beispiel, wie lange DNA auf Blättern erhalten bleibt, wie weit entfernt von den Tieren man ihre DNA findet und welche Tierarten sich mit diesem Ansatz nachweisen lassen. „Wir freuen uns sehr darauf, mit den Schüler:innen zusammenzuarbeiten, um diese und andere Fragen zu beantworten“, sagt Gogarten.

Ein Wissenschaftler erklärt an einer Leinwand eine Labormethode
Ein Wissenschaftler des HIOH erklärt eine Labormethode, die im Citizen Science-Projekt CiFly zum Einsatz kommt

Ulf Burmeister, Leiter des A.-v.-Humboldt-Gymnasiums ergänzt: „Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium freut sich außerordentlich, nun schon im zweiten Jahr von der Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Institut profitieren zu können. Unsere Schülerinnen und Schüler haben bewusst diesen Wahlpflichtkurs gewählt, um in diesem Projekt mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des HIOH zusammenarbeiten zu können. Die Rückmeldungen der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler und der Kursleiterin, Frau Bernhardt, zeigen, dass diese Zusammenarbeit im zurückliegenden Jahr sehr erfolgreich war. Der Bezug zur wissenschaftlichen Praxis ist sowohl für die schulische Ausbildung als auch für die Berufs- und Studienorientierung unserer Schülerinnen und Schüler von großer Bedeutung. Wir haben großes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Institut für One Health.“

Auch der Tierpark Greifwald freut sich auf die Zusammenarbeit: „Der Greifswalder Tierpark unterstützt gerne dieses gemeinsame Projekt des Humboldt-Gymnasiums und des HIOH. Wir hoffen, auf diese Weise weitere Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Tierarten sich in unserem Tierpark nicht nur in den Gehegen aufhalten“, sagt Dr. Andreas Kerath, Geschäftsführer des Tierparks Greifswald.